Cluster Mobility & Logistics

Quantencomputing@OTH Regensburg: Ein Blick hinter die Kulissen

29.01.2026

Besuch im Labor für Digitalisierung an der OTH Regensburg

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Mauerer

Das Cluster Mobility & Logistics hatte am 21.01.2026 Woche die Gelegenheit, das Labor für Digitalisierung an der OTH Regensburg zu besuchen. Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Mauerer, der Leiter des Labors und die fachliche Leitung der Arbeitsgruppe Quantencomputing des Clusters, stand uns für ein kurzes Interview zur Verfügung. 

 

Frage: Könnten Sie uns Details zum Quantencomputing an der OTH Regensburg geben?

Prof. Dr. Wolfgang Mauerer: Wir betreiben das Thema an der OTH Regensburg bereits seit etwa zehn Jahren. Die erste Vorlesung zum Thema dazu gab es bereits 2014 - also lange bevor das große öffentliche Interesse erwacht ist. Seitdem hat sich der Bereich stetig weiterentwickelt: Von einer Bachelor-Vorlesung hin zu einem eigenen QuantenTechnologie-Zertifikatsstudium. Mittlerweile verlassen pro Jahr etwa 50 bis 60 Absolventen die OTH mit fundiertem Wissen in diesem Bereich. Das halte ich auch im Vergleich zu deutlich größeren Einrichtungen für eine durchaus beachtliche Zahl. Wir sind hier im Haus sehr breit aufgestellt. Neben meiner Professur gibt es eine zweite Professur für Quantencomputing sowie zahlreiche Kollegen in anderen Fakultäten, die sich mit Quanten-Themen beschäftigen – vom Halbleiterlabor für die Chipherstellung bis hin zu Laboren für Quantensensorik. Dank Mitteln aus der Hightech-Agenda Bayern betreiben wir zudem eine der größten Quantensimulationsanlagen sowie eine Anlage zur Quantenschlüsselverteilung. Wir arbeiten also nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret praktisch.


Frage: Wie sieht Ihre persönliche Erfahrung im BereichQuantencomputing aus?

Prof. Dr. Wolfgang Mauerer: Ich bin von Haus aus Physiker und beschäftige mich bereits seit meinem Studium, etwa seit dem Jahr 2005, mit dem Thema. Damals war Quantencomputing noch ein reines Nischenthema der theoretischen Physik. In den letzten zehn Jahren hat das Thema jedoch eine Dynamik entwickelt, die ich so nicht für möglich gehalten hätte. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Konzepte von der rein theoretischen Ebene hin zu realen Maschinen entwickelt haben.


Frage: Persönliche Vorstellung – Was hat Sie zum Quantencomputing gebracht?

Prof. Dr. Wolfgang Mauerer: Da ich ursprünglich aus der Physik komme, waren es für mich vor allem die grundlegenden Fragen der Natur, die mich gereizt haben. Ich habe damals meine Diplomarbeit über Programmiersprachen für Quantencomputer geschrieben. Das war 2005 ein sehr unübliches Thema: Für Physiker war es zu informatisch, und die Informatik hatte das Konzept noch gar nicht auf dem Schirm, da es als reines Physik-Thema galt. Mich hat damals die Herausforderung gereizt, diese beiden Welten zusammenzubringen. Dass ich heute tatsächlich Maschinen erlebe, die diese theoretischen Konzepte umsetzen, ist eine großartige Überraschung.


Frage: Welche Chancen sehen Sie im Quantencomputing generell und für die OTH Regensburg?

Prof. Dr. Wolfgang Mauerer: Man muss ehrlich sein: Quantencomputing ist kein Allheilmittel für jedes Rechenproblem. Aber es gibt Bereiche, in denen wir enorme Durchbrüche erwarten. Das betrifft vor allem physiknahe Themen wie die Simulation von Materialien oder chemischen Prozessen. Auch in der kombinatorischen Optimierung – etwa für Logistik oder die hochspezialisierte Ablaufplanung in der Automobilindustrie – liegen riesige Potenziale. Für die Region Regensburg mit ihren vielen mittelständischen Unternehmen ist es entscheidend, jetzt dranzubleiben. Wir sehen das beim Thema Machine Learning: Die „Early Mover“, die frühzeitig investiert haben, sind heute kaum noch einzuholen. Wer erst anfängt, wenn die perfekten Maschinen im Laden stehen, wird den Anschluss verlieren. Wir bereiten unsere Studierenden und Partnerfirmen darauf vor, für diesen Moment gewappnet zu sein.


Frage:Welches Quanten-Thema begeistert Sie persönlich am meisten?

Prof. Dr. Wolfgang Mauerer: Mich begeistert genau dieser Überlapp zwischen Informatik und Physik. Wir stehen zwischen den Disziplinen. In der klassischen Informatik wissen wir oft gar nicht mehr, wie die Physik im Chip funktioniert, weil sie einfach „da“ ist. Beim Quantencomputing beeinflusst die Physik das Design der Algorithmen noch ganz direkt. Es herrscht eine enorme Reibung zwischen diesen Fachbereichen. Aber wie wir wissen: Wo Reibung ist, entsteht Hitze – und dort, wo es heiß hergeht, wird gekocht. Das macht die Arbeit im Labor für Digitalisierung so spannend.


Frage: Was entgegnen Sie Menschen, die Quantencomputing noch für Science-Fiction halten?

Prof. Dr. Wolfgang Mauerer: Es gibt zwei Arten von Science-Fiction. Die eine ist die überzogene Erwartung, dass ein Quantencomputer „magisch“ alle Probleme löst – das müssen wir wissenschaftlich entzaubern. Die andere Sichtweise ist die Skepsis, ob das überhaupt jemals funktionieren wird. Hier zitiere ich gerne Arthur C. Clarke: „Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Quantencomputing ist heute an genau diesem Punkt. Es fühlt sich für viele wie Magie oder Science-Fiction an, aber wir machen es bereits konkret erlebbar. Wir arbeiten in unseren Laboren bereits mit der Technologie, die morgen den Standard setzen wird. Es ist keine reine Vorstellung mehr – es passiert bereits in echten Maschinen.


>>> Hier können Sie sich ein Anwendungsbeispiel ansehen.


Herzlichen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke in das Labor, Prof. Dr. Wolfgang Mauerer.

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