Am 26. Februar 2026 fand die erste Ausgabe des Drive2Transform Policy Forums statt – ein europäisches Dialogformat, das Politikvertreterinnen und -vertreter, Wirtschaftsexperten sowie Projektakteure aus mehr als neun mitteleuropäischen Regionen zusammenbringt. Organisiert wurde das Forum von der Regional Development Agency der Region Pilsen (Tschechien) gemeinsam mit dem Cluster Mobility & Logistics (TechBase Regensburg), der Gesamtkoordination des EU-Projekts. Die Moderation übernahm Filip Uhlík, Direktor der Regional Development Agency Pilsen.
Das Forum ist Teil des Interreg-Central-Europe-Projekts Drive2Transform, das die Transformation der Automobil- und Zulieferindustrie in Mitteleuropa begleitet – von Elektrifizierung über autonomes Fahren bis hin zu plattformbasierten Geschäftsmodellen. Grundlage bildet der Transformation Readiness Index, der auf einer Befragung von 140 Unternehmen aus neun Regionen basiert.
Programm des Forums
Begrüßung & Einführung Moderator Filip Uhlík, Direktor der Regional Development Agency der Region Pilsen
Eröffnungsrede & Regionale Perspektive Bayern Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie
Einordnung & Regionale Perspektive Tschechien Peter Knap, EY Consulting – Analyse der Megatrends und strategischen Herausforderungen
Open Forum & Diskussion Interaktiver Austausch mit Politikvertretern und Stakeholdern aus über neun europäischen Regionen
Eröffnungsrede: Staatssekretär Tobias Gotthardt
Den Auftakt des Forums gestaltete Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt mit einer klaren Botschaft: Mitteleuropa ist ein tief vernetzter Wirtschaftsraum – Entwicklung in Bayern, Produktion in Österreich und Ungarn, Zulieferer über den gesamten Kontinent verteilt. Die aktuelle Transformation durch Dekarbonisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung betrifft alle Regionen gleichermaßen.
„Wir brauchen Innovationskraft, Investitionen und enge europäische Zusammenarbeit, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Bayern und Mitteleuropa bleiben. Drive2Transform liefert dafür eine wichtige Grundlage."
— Tobias Gotthardt, Staatssekretär
Gotthardt unterstrich dabei die Realität des innereuropäischen Standortwettbewerbs – angetrieben durch unterschiedliche nationale Subventionspolitiken sowie variierende Lohn- und Energiekosten. Sein Appell: ein echtes Level Playing Field, in dem Innovation und Qualität über Erfolg entscheiden.
Strategische Einordnung: Peter Knap (EY Consulting)
Peter Knap von EY Consulting lieferte eine umfassende Analyse der strategischen Lage der mitteleuropäischen Automobilindustrie. Der Fokus verschiebt sich zunehmend von reiner E-Mobilität hin zu Software-Defined Vehicles (SDV) – Software als zentraler Innovationstreiber. Gleichzeitig liegt der europäische Gesamtmarkt noch immer rund zwei Millionen Fahrzeuge unter dem Vor-Corona-Niveau.
E-Mobilität & Markt Reine E-Fahrzeuge stoßen weltweit auf Skepsis – Infrastrukturlücken geben Hybridmodellen vorübergehend Auftrieb. Der Schlüssel liegt darin, die pragmatische Mehrheit zu überzeugen.
China-Faktor China ist inzwischen weltgrößter Autoexporteur. Marken wie BYD investieren massiv in EU-Produktion mit dem Ziel von 1,5 bis 2 Millionen Fahrzeugen.
Autonomes Fahren Nutzer akzeptieren Assistenzsysteme, zögern aber bei Level 3. Europa liegt bei der Entwicklung aktuell hinter dem internationalen Wettbewerb.
Zulieferer unter Druck Mitteleuropa bleibt starker Produktionsstandort, doch besonders Zulieferer auf unteren Ebenen kämpfen mit Margen- und Nachfrageschwankungen.
Knaps strategischer Aufruf: Europa muss weg von fragmentierten Einzelpolitiken und hin zu einem geeinten Ansatz – einem „Clean Tech Transport Valley" mit Fokus auf Software, Recycling und wettbewerbsfähiger Energie.
Open Forum: Stimmen aus ganz Europa
Den Kern des Forums bildete ein offener, interaktiver Austausch zwischen Teilnehmenden aus zahlreichen europäischen Regionen. Vertreten waren Politikverantwortliche aus allen beteiligten Projektregionen sowie Repräsentantinnen und Repräsentanten von Interreg Central Europe, der Deutschen Kontaktstelle Interreg und der UNIDO (Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung).
Die Diskussion war geprägt von einem breiten Spektrum an Perspektiven und einer deutlichen Bereitschaft zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Ein zentrales Thema war die Geschwindigkeitslücke gegenüber China: Chinesische Entwicklungszyklen von sechs Monaten bis zwei Jahren stehen europäischen Zyklen von > mehreren Jahren gegenüber – ein Ungleichgewicht, das durch höhere Investitionen Chinas in die Energiewende zusätzlich verschärft wird. Gleichzeitig wurde auf regulatorische Hürden hingewiesen, etwa veraltete Zulassungsvorschriften, die innovative Lösungen wie fahrerlose Shuttles ausbremsen, sowie digitale Grenzen, die grenzüberschreitende Mobilitätslösungen erschweren.
Als Diversifizierungsmöglichkeiten wurden Bereiche wie Verteidigungs- und Luftfahrttechnik, Medizintechnik sowie Kreislaufwirtschaft identifiziert. Zudem diskutierten die Teilnehmenden die Weiterentwicklung von Innovationsclustern hin zu „Living Labs" – weg von reinen Netzwerkgruppen, hin zu infrastrukturgetriebenen Testumgebungen, etwa in Tourismusregionen für autonome Shuttles.
Ausblick: Fortsetzung im März und April 2026
Das Policy Forum vom 26. Februar war die erste von drei Veranstaltungen. Die weiteren Ausgaben finden im März und April 2026 statt – jeweils mit Expertenbeiträgen und offener Diskussion im europäischen Politikkontext. Informationen zum nächsten Termin folgen in Kürze.
Wir danken allen Teilnehmenden für den engagierten und produktiven Austausch und freuen uns auf die Fortsetzung des europäischen Dialogs!
Über Drive2Transform: Das Projekt Drive2Transform (CE0200679) wird über das Interreg Central Europe-Programm gefördert. Die Gesamtkoordination liegt beim Cluster Mobility & Logistics (TechBase Regensburg GmbH). Das Projekt unterstützt KMU und politische Entscheidungsträger in neun mitteleuropäischen Regionen bei der Bewältigung des Strukturwandels in der Automobilindustrie – von Juni 2024 bis November 2026, mit einem EU-Fördervolumen von knapp 1,8 Millionen Euro.

