Der Einsatz von Robotern im Außenbereich stellt spezifische Herausforderungen dar. Das bayerische Start-up Innok Robotics hat genau darin seine Nische gefunden – und ist weiter auf Wachstumskurs.
Ein etwa einen Meter hoher, rechteckiger Roboter fährt allein durch Parkanlagen und Grünflächen. Aus einem vertikalen Rohr bewässert RAINOS die Flächen aus dem Wassertank nach links und rechts. Ist Tank oder Akku leer, kehrt er selbständig zur Ladestation zurück, vollständig ohne menschliches Eingreifen.
Das Besondere an den Lösungen des bayerischen Start-ups Innok Robotics: autonome Roboter für den Außeneinsatz. Was heute noch Einzelfall ist, könnte eine Antwort auf den Fachkräftemangel im urbanen Arbeiten sein. „Ein Outdoor-Roboter muss alles können, was ein Indoor-Roboter auch kann. Zusätzlich kommen Regen, Unebenheiten, Schmutz, große Strecken und andere Verkehrsteilnehmer dazu“, erklärt Gründer und CEO Alwin Heerklotz. In dem hart umkämpften Markt der Physical AI hat das Unternehmen seine Nische gefunden und wächst dort stark. 2025 verdoppelte Innok Robotics seinen Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr. „Der Innenbereich ist ein großer und einfacherer Markt – viele beschränken sich darauf. Wir hatten von Anfang an den Außenbereich im Blick. Industrieunternehmen haben fast alle mehr als eine Halle, die unser Transportroboter INDUROS miteinander verbindet.“
Fokus auf Kundennutzen
Physical AI beschreibt Künstliche Intelligenz, die nicht am Bildschirm agiert, sondern Aufgaben in der realen Welt übernimmt: Sie erfasst ihre Umgebung über Sensoren, wertet die Informationen unmittelbar aus und setzt die Ergebnisse als konkrete Handlungen in der physischen Welt um. Dazu gehören autonome Fahrzeuge, aber auch humanoide Roboter – wobei Heerklotz bei Letzteren derzeit noch keinen wirtschaftlichen Nutzen sieht. „In Transport und Logistik müssen große Strecken überbrückt oder Maschinen verkettet werden. Humanoide Roboter liefern noch nicht den Kundennutzen, wie es autonome Fahrzeuge tun.“
Kundennutzen ist für ihn kein Schlagwort, sondern strategisches Steuerungsprinzip und somit Ausrichtung für die Wachstumsfelder des Unternehmens. „Wir fokussieren uns auf Themen, die sich skalieren lassen, dort, wo Bedarf besteht und wo wir mit bestehender Technologie Mehrwert schaffen können“, so Heerklotz. Dafür brauche es vor allem direkten Kontakt mit den Nutzenden. Nur so lasse sich verstehen, welche Probleme die Roboter tatsächlich lösen und was in die Weiterentwicklung einfließen sollte.
Von Projekt zum Produkt
Innok Robotics begann mit Spezialrobotern für Forschungseinrichtungen. Mittlerweile bilden klare Produktgruppen das Portfolio – das Ergebnis einer strategischen Entscheidung. „Projektgeschäft ist spannend, aber man fängt meist von vorne an. So kann man nicht skalieren. Wir haben einen Baukasten aufgebaut, mit dem wir neue Lösungen schnell umsetzen können.“ Der Übergang war ein Risiko. „Hinter dem ersten Standardprodukt steckt eine große Investitionssumme. Ab dem zweiten und dritten Kunden wird es einfacher.“ Die Produkte sind seit 2019 serienreif und bei über 200 großen Unternehmen im Einsatz.
Bei der Finanzierung ging Innok Robotics einen eigenen Weg: Crowdfunding statt klassischer Venture-Capital-Runden. „Crowdinvestment gibt die Möglichkeit, an Kapital zu kommen, ohne sich fragen zu müssen: Was passiert in drei Jahren? Wird das Unternehmen aufgekauft? Unser Thema ist für viele Menschen interessant, so haben auch Kunden investiert. Es war motivierend, so viele Unterstützer zu haben“, sagt Heerklotz.
Für den CEO ist klar: Der Markt für Physical AI ist da und damit die Wachstumschancen. Und er sieht darin auch eine breitere Chance. „Physical AI ist eine Gelegenheit für Europa generell, das bei LLMs keine große Rolle spielt. Die Kombination aus starker Wissenschaft, Forschung und den vorhandenen guten Unternehmen besitzt echtes Potential. Es ist wichtig, da nicht einfach aufzugeben.“

