Transform-R Erfolgsgeschichte (Transform-R) Cluster Mobility & Logistics Erfolgsgeschichte (Cluster Mobility & Logistics)

Das Reallabor WiSe OMV als Blaupause für die urbane Transformation

29.10.2026

Smarte Sensorik im Welterbe

Der Kontext: Regensburg als Smart-City-Experimentierort

Regensburg zählt seit 2022 zu den bundesweit geförderten Modellprojekten „Smart Cities“ (REGENSBURG_NEXT). Im Zentrum steht das R_Lab Mobilität – ein Reallabor, in dem Unternehmen, Hochschulen und Stadtverwaltung smarte Anwendungen unter realen Bedingungen testen. Das Stadtwerk.Regensburg betreibt dazu die zentrale Dateninfrastruktur, den Mobility Data Hub; das Cluster Mobility & Logistics koordiniert das Reallabor. Eines der Anwendungsprojekte ist WiSe OMV – Wirkungsmessung & Sensorik im Obermünsterviertel. Das Projekt läuft seit März 2026 im Auftrag der Stadt Regensburg.

Das Projekt: Von Bewegungs- & Frequenzanalyse, Mikroklima-, Luft- und Lautstärketrendanalysen bis hin zum Test von Datenübertragungstechnik historischen Altstadt

Bis zur umfassenden Neugestaltung des Obermünsterviertels ab 2028 evaluiert das Reallabor seit 2026 die Wirkung temporärer Sofortmaßnahmen (Verkehrsberuhigung, Begrünung, Aufenthaltsflächen). Ein modernes Sensornetz an fünf festen Punkten sowie einer mobilen Messbox (Box ab November 2026 im Einsatz) liefert dafür Echtzeitdaten anonym und kamerafrei (Privacy by Design) in den Mobility Data Hub. Während die Strategische Partnerschaft Sensorik e.V. die technische Umsetzung verantwortet, steuert das Cluster Mobility & Logistics die Projektkoordination.

Das Sensor-Setup im Überblick:

Welche Sensoren kommen zum Einsatz – was leisten sie?

  • Bewegung & Frequenz: Optikfreie Radarsysteme erfassen Passanten, Radfahrer und Fahrzeuge.
  • Umwelt & Mikroklima: IoT-Sensoren für Luftqualität, Temperatur, CO₂ und Feuchtigkeit messen Hitzeinsel-Effekte und Begrünungswirkung.
  • Akustik: Schallpegelmessungen analysieren Schallemissionen und nächtliche Lärmspitzen.
  • Datenfusion & Visualisierung: Vor Ort aggregierte Daten werden per Mobilfunk in den Data Hub übertragen und über maßgeschneiderte Web-Dashboards (z. B. 2D-Lärm-Hotspots) für Fachämter aufbereitet. CIVITAS/CORE ist die Open Source Basis des Mobility Data Hubs. Das optionale Add-on Apache Superset wird für die visuelle Datenanalyse und Dashboards verwendet. 

Stolpersteine im urbanen Raum: Was das Reallabor löst

Der Einsatz moderner IoT-Technologie im öffentlichen Raum unterscheidet sich grundlegend von abgesperrten Automotive-Testgeländen oder Industriearealen. Technisch verlangt der Denkmalschutz unauffällige, oft energieautarke Lösungen: Viele Standorte bieten keinen regulären Stromanschluss. Das Projektteam legte die Sensoren deshalb solarbetrieben und funkbasiert aus – inklusive Datenübertragung durch historisches Mauerwerk.

„Will man neue Themenfelder aufarbeiten, ist erst einmal vieles unbekannt – angefangen bei den Akteuren und deren Zuständigkeiten bis hin zu Auflagen im Rahmen des Denkmalschutzes,“ betont Matthias Streller, Geschäftsführer der Strategischen Partnerschaft Sensorik (SPS). „Ein Reallabor ist der geeignete Rahmen, um diese Hürden partnerschaftlich und pragmatisch zu überwinden.“

WiSe OMV bringt dazu Denkmalschutzbehörde, Stadtverwaltung, Stadtwerk und Netzwerk an einen Tisch, um bereits vor der Installation gemeinsame Standards für Montage, Datenfluss und Betrieb zu definieren. Die frühzeitige Klärung aller Zuständigkeiten erwies sich dabei als zentraler Erfolgsfaktor und wichtigster Lerneffekt für vergleichbare Vorhaben in anderen Kommunen.

Der Netzwerkeffekt: Technologietransfer & Brücke zur Automotive-Industrie

Was hat das nun mit Automotive und Transformation zu tun? Für mittelständische Technologieanbieter und Unternehmen der Automobilzulieferindustrie eröffnet das Reallabor neue Perspektiven, da sie im Zuge des Strukturwandels nach neuen Anwendungsfeldern außerhalb des klassischen Fahrzeugs suchen. Während Netzwerke wie die Strategische Partnerschaft Sensorik oder transform.r selbst keine eigenen Testfelder betreiben, agieren sie hier als Schnittstelle und Technologiemodulator. „Im Automotive-Umfeld entwickelte Radar-, Perzeptions- und Umweltsensorik ist technologisch auch für den Smart-City-Sektor relevant,“ so Streller. Auch für den Automotive-Einsatz läßt sich z.B. hinsichtlich der Installation von Infrastruktursensorik für Vehicle2X etwas lernen oder wo Potential für gemeinsam genutzte Datensätze bestehe.

Wie dieser Transfer in der Praxis gelingt, zeigen exemplarisch Netzwerkpartner wie die Sensorik-Bayern GmbH oder Senseca mit ihren bereits im laufenden Betrieb integrierten Systemen – ein Potenzial, in dem sich auch das Interesse renommierter Tier-1-Zulieferer in ersten Sondierungsgesprächen widerspiegelt.

Der Ausblick: Vom Pilotprojekt zur stadtweiten Infrastruktur

Mit dem Start in die zweite Projektphase hat das Team  erweitert die Messung um die mioty-Funktechnologie und weitet die Wirkungsmessung auf den Neupfarrplatz aus, wo im Rahmen des Klimalabors Beschattungselemente und Sprühnebelanlagen entstehen. Alle Daten laufen im Mobility Data Hub zusammen und fließen in das stadtweite IoT-Konzept Regensburgs ein – die Grundlage für künftige sensorbasierte Anwendungen weit über das Obermünsterviertel hinaus.

Warum das Netzwerk hier der entscheidende Faktor ist

Einzelne Unternehmen hätten diesen Zugang zum urbanen Testfeld kaum bekommen – zu komplex ist die Abstimmung mit Denkmalschutz, Stadtverwaltung und Datenschutzanforderungen im Welterbe-Quartier. Das Netzwerk hat die Türen geöffnet: durch bestehende Beziehungen zur Stadt, Erfahrung in der Projektstrukturierung und die Glaubwürdigkeit eines technologischen Netzwerks ohne Eigeninteresse an einem bestimmten Produkt.

Über Regensburg hinaus entfaltet WiSe OMV eine Hebelwirkung: Die erarbeiteten Vorgehensweisen, Datenstandards und rechtlich-organisatorischen Klärungen dienen als Blaupause für weitere bayerische Städte und Gemeinden. Kommunen erhalten ein praxiserprobtes Vorgehensmodell zur Digitalisierung des öffentlichen Raums – und Technologieunternehmen ein klares Bild davon, wie ihre Sensorik-Innovationen im urbanen Kontext erfolgreich zum Einsatz kommen.

Kontakt: Matthias Streller | m.streller@sensorik-bayern.de | Strategische Partnerschaft Sensorik e.V., Franz-Mayer-Straße 1, 93053 Regensburg

 

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